Der Spielmann aus Salzburg

Salzburger Nachrichten 13.05.2005

Thomas Schallaböck, Gründer und Mitglied des Ensembles "Dulamans Vröudenton", beweist sein Können bei einem Sänger-Wettstreit im Juni.

NONNTAL (spi). "Kuster mich? Wol tûsentstunt: tandaradei, seht wie rôt mir ist der munt" - "Ob er mich küßte? Sicherlich tausendmal: tandaradei, seht, wie rot mein Mund ist", dichtete Walther von der Vogelweide (ca. 1170 bis 1230), damals im Mittelalter. Auf den Spuren der Minnesänger und der Alten Musik wandelt Thomas Schallaböck gemeinsam mit dem Ensemble "Dulamans Vröudenton" bereits seit dem Jahr 1982.

Im Juni tritt er als Solokünstler "Thomasin von Salzburg" bei einem Sänger-Wettstreit auf Burg Falkenstein in Oberbayern auf. Nominiert wurde er gemeinsam mit sieben anderen seiner Zunft vom renommierten Mittelalter-Magazin "Karfunkel".

Dass es sich bei dem Wettstreit nicht um "Klamauk" wie bei zahlreichen Ritterfesten handelt, wird sofort klar, beim Blick auf die alten Instrumente und auf das umfassende Wissen von Thomas Schallaböck. "Ich verstehe mich als Vermittler zwischen der heutigen Zeit und einer Kultur, die seit 600 Jahren vorbei ist", so der Musiker, der auch mit seinem Ensemble nur "in konzertantem Rahmen" auftritt. "Wir gehören zu den zehn arriviertesten Ensembles im deutsch-sprachigen Raum". Zwischen 30 und 40 Konzerte stehen jährlich auf dem Programm der Salzburger.

Am Mittelalter interessiert Schallaböck die Frage, "wie sich unsere Mentalität, unsere Kommunikationsformen entwickelt haben. So geht etwa unser moderner Liebesbegriff auf die ,ebene Minne'; zurück, in der sich Mann und Frau gleichberechtigt gegenüber stehen." Als Musiker ist ihm wichtig, "dem Publikum eine gelungene musikalische Fassung zu präsentieren". Authentizität sei bei den wenigen Überlieferungen schwer möglich. Außerdem: "Ich bin Musiker und kein Museumswart."