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DI | 01.08 | 15:59

MINNESÄNGER- WETTSTREIT 2005
"Liebe ist wichtiger als Gold und Vieh!"
Thomas Schallaböck ist "Thomasin". Salzburgs Minnesänger vertritt Österreich beim Wettstreit der Minnesänger am 4. Juni in Regensburg (Bayern). Es geht um Gesänge zur Verehrung von Frauen, die von platonischer Verherrlichung zu eindeutigen Angeboten reichen können.

Rockstars des Mittelalters
Diese Art von weit umherreisenden Musikern waren sozusagen die Rockstars des Mittelalters. Sie verwendeten vielerlei Arten von Instrumenten: Flöten, Lauten und oft die Drehleier in verschiedenen Bauweisen (Bild links).

Minne war im Mittelalter der poetisch-musikalische "Frauendienst", die ritterlich-platonische bis ziemlich lebenspraktisch-erotische Verehrung des weiblichen Geschlechtes.

Journalistische Funktionen
Die Sänger hatten auch eine journalistische Funktion, weil sie Neuigkeiten aus vielen Teilen Europas für ihre Songs und Auftritte in Liedtexten zusammenfassten.

Viele zählen zu den frühesten Werken der deutschsprachigen Literaturen.

Minnesängern wie Walther von der Vogelweide, Neidhard "von Reuental" oder Oswald von Wolkenstein lag wohl so manches Burgfräulein und manche Magd als Fan (und Geliebte?) zu Füßen.


Foto: Stadt Nachrichten/Salzburger Woche/spi
"Hohe" und "Niedere Minne"
Es gab die "Niedere Minne" (Liebe und Sex mit Bauernmädchen) sowie "Hohe Minne", die idealistische Verehrung von Freifrauen, Fürstinnen und Baronessen, die niemals (oder selten) erfüllt wurde.
Gründer von "Dulamans Vröudenton"
Die Mittelalter-Fachzeitschrift "Karfunkel", das "Musiktheaters Dingo" und minnesang.com veranstalten am 4. Juni 2005 den großen Minnesänger-Wettstreit auf der Burg Falkenstein bei Regensburg (Niederbayern).

Nun wurden sieben Kandidaten nominiert und der Öffentlichkeit vorgestellt.
 
Als einziger österreichischer Teilnehmer kam der Salzburger Musiker und Sänger Thomas M. Schallaböck in die Endrunde. Er ist seit beinahe 25 Jahren bekannt als Gründer und Mitglied des Ensembles für Alte Musik "Dulamans Vröudenton".

"Cumbia": aufmerksame Zuhörerin
Burgvogtin erwählt sich den Sieger
Beim Wettstreit wird er unter dem mittelalterlichen Pseudonym "Thomasin von Salzburg" auftreten und sich mit einer gotischen Kastendrehleier begleiten. Peter Rauter, ein Kollege von Dulamans Vröudenton, steuert als Spielmann pfiffige Flötentöne bei.
 
Jeder Teilnehmer trägt zwei Minnelieder vor, einen “Klassiker” des Mittelalters im “Pflichtprogramm” und ein etwas ausgefalleneres Werk in der Kür.

Über den Sieg entscheidet die Burgvogtin nach eigenem Geschmack. Zusätzlich ist das Publikum aufgerufen, den Sänger zu wählen, der es am meisten beeindruckt!
Werke des "Mönchs" mit Schäferstündchen
Thomasin wählte Lieder seines heimatlichen Kollegen "Mönch von Salzburg" und von "Heinrich von Morungen": "Das Kühhorn" (Mönch von Salzburg) berichtet von einem Mittagsschlaf der ganz besonderen Art.

Das mittelalterliche Schäferstündchen wandelt sich zur Eifersuchtsszene und endet mit der erstaunlichen Moral: Liebe ist wichtiger als Gold und Vieh!
Er will, sie lehnt ab :-((
Beim Lied "Nein, ja" (Heinrich von Morungen) kommt das sehnsüchtige Verlangen des Sängers zu einem tragischen Ende: "Ja?" bettelt er, doch "Nein", sagt sie.

Instrumente und Katzenlady von Thomas Schallaböck alias "Thomasin".