22.08.2006 05:00
Als in Zeiring das Feuer lang nicht ausging
Stimmiges Innehalten bei Schwammerlsuppe, Harfenklang und der Frage, ob es im Mittelalter eigentlich Schuhbänder gab. Von einem Gelage.

BETTINA OBERRAINER

Das Geheimnis? Nichts weiter als ein guter Germteig. "Den hat schon meine Großmutter so gemacht", lächelt Gertraud Fritz und bäckt eine Maus nach der anderen in dem zischenden Öl. Ihre Schwester Elfi Karner füllt Teig in ein uraltes Waffeleisen, während Georg Karner achtet, dass das Feuer nicht ausgeht: "Ich bin der Heizer und schau', dass bei den Damen alles passt", schürt er die Glut und reicht fertiges Gebäck aus dem Standl.

Nein, das Feuer sollte an diesem Abend am Kirchplatz in Oberzeiring noch lang nicht ausgehen, es war stimmige Lichtquelle und Nahrung für allerlei Brutzeleien zugleich: Ein "Gelage im Fackelschein" lud zur Reise zurück ins Mittelalter, zum atmosphärischen Innehalten zwischen Strohballen und Harfenklang, ohne elektrischen Strom aber dafür unter einem prächtigen Sternenhimmel.

Geschichten

Da ließ es sich aushalten bei den Geschichten, die Thomasin von Salzburg den um sich gescharten Kindern erzählte, an den der Kirchenmauer entlang gereihten Tischen und bei den kulinarischen Stationen sowieso. Mit großen Augen löffelt die kleine Charlotte ihre Schwammerlsuppe aus der Brottasse, und der Spanferkel-Zerteiler kommt kaum mit der Portionierung der gefragten Deftigkeit nach. Verkürzt man sich halt mit einem Holunderbier die Wartezeit.

"Noch nicht, die Nacht ist lang", stürmt Organisator Stefan Karner vom Verein Historisches Zeiring schwarzgekuttet über den Platz, und überlässt Hochprozentiges derweil noch den Besuchern. "Was habt ihr denn Gutes da?" nähert sich einer der Ausschank, in der Eva-Maria Piber die Flaschen im Griff hat. "Zirberl, Holler, Kräuter - und der Likör ist ganz exquisit!" "Ja, den nehmen wir." Nebenan gilt es, über eine schmale Holzbahn alle Neune zu treffen. "Ich kenne den Rekord! Eine Frau hat ihn mit vier mal 36 geschafft", weiß der junge Adlatus des Schreibers.

Hat es im Mittelalter eigentlich Schuhbänder gegeben? Ein Bub will seine jedenfalls vom Freund gebunden bekommen. "Ist er denn dein Knecht?", fragen wir belustigt. "Nein, aber er ist jünger als ich." Noch jünger ist Martin, der mit den Eltern aus Möderbrugg gekommen und laut seiner Mama am meisten von den Strohballen fasziniert ist. Wie Heinz Hemmer von den vielen Touristen, die den Zauber des Festes genießen: "Das braucht der Ort."

Georg Karner hält indes das Feuer weiter in Schwung. Da geht sich locker noch eine Waffel aus. Mit Obers und Preiselbeermarmelade. Mundet ritterlich zu Almkaffee und Drehleierklang - im Fackelschein unterm Zeiringer Sternenhimmel.